Miskito-Indianer in Nicaragua - Homepage Ulrich Epperlein

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Herrnhuter Missionshilfe, Bad Boll

Ulrich Epperlein

Arbeitsbericht 2000 - Teil II

  Detallierter Bericht über die Arbeit im Bereich der 
Estudios Teológicos por Extensión (ETE)

in MusawasDie "Dezentrale Theologische Laienausbildung" ist ein  Teil des Programms des Theologischen Seminars der Iglesia Morava von Nicaragua und der Bereich der Ausbildung auf Gemeindeebene. Ihr Ziel ist die theologische Grundausbildung von Personen, die pastorale, geistliche und/oder soziale Verantwortung in den Gemeinden übernehmen sollen bzw. ausüben. Das Programm arbeitet mit einer Methode des Fernstudium, das Supervision mit Hilfe von Tutoren einschliesst.

Selbstverständlich kann das Programm nicht in allen der ungefähr 180 Gemeinden durchgeführt werden, sondern dort wo es beantragt wird.  Derzeit ist ETE in ungefähr 30 Gemeinden mit zirka 250 Teilnehmern präsent.  Wir benutzen Material von der SEAN in Ecuador, die hauptsächlich biblizistisch und fundamentalistisch orientiert sind.  Damit wird ein gewisses biblisches Fundament mit dem Vorteil, dass es zugleichmit der Tradition in der IM übereinstimmt, die sich prinzipiell auf die Bibel und christologische Elemente gründet.

Andererseits entstehen dadurch auch gewisse Probleme:

  • Sprache: Die Lerneinheiten sind in Spanisch verfasst, aber in den Kirchengemeinden verstehen die TeilnehmerInnen nur teilweise diese Sprache und benutzen normalerweise ihre eigene (Sumo-Mayangna, Miskito, Englisch);

  • die Methode des Fernstudiums fordert ein gewisses Schulniveau hinsichtlich der Fähigkeit von Lektüre und Selbststudium, für das sie nicht vorbereitet sind;

  • im STM lehren wir mit Hilfe einer Theologie, die sich an einer kritischen und kontextuellen Exegese, Sozialethik und Dogmatik im lateinamerikanischen Kontext orientiert, was sich aber in den erwähnten Lerneinheiten nicht widerspiegelt.

Ausser diesen Faktoren ist es weiterhin die finanzielle Einschränkung des Programms, die in einigen Hinsichten die Möglichkeiten einschränkt:

  • angemessene Vorbereitung der Tutoren;

  • Ausarbeitung von Materialien;

  • regelmässige Besuche (Transport);

  • Koordinierung;

  • Treffen der Teilnehmer aus verschiedenen Gemeinden.

Diese Probleme wurden zwar verschiedene Male in den Arbeitssitzungen des STM erwähnt;  ohne jedoch eine unmittelbare materielle Lösung zu finden, konten wir einige Massnahme zu ihrer Korrektur ergreifen.

Kursteilnehmer vor er Kirche in MusawasDie Anstrengungen von ETE konzentrieren sich zumindest für den Augenblick auf einige bestimmte Ort, wo in den vergangenen Jahrzehnten wenig Bemühungen in der theologischen Ausbildung zu verzeichnen waren : in den Gemeinden der Mayangnas von und um Musawas und in der Gemeinde der Ramas auf Rama Cay.

In diesen Gemeinden könne wir alle drei Monate Themen-Seminare durchführen (z.B.: "Wie kann ich die Bibel verstehen ?"; zur Kirchengeschichte; Ethische und pastorale Themen), um den Gemeinden einige theologische Grundlagen je nach den von ihnen selbst formulierten Notwendigkeiten zu geben.

nach obenZusammenfassend sollen verschiedene Veranstaltungen erwähnt werden, die zuletzt durchgeführt wurden:

  • In Musawas 
    Die  insgesamt vier Seminare (nach einem Einführungs- und Evaluierungskurs) behandelten  theologische Grundlagen. Dabei soll besonders jenes Seminar zur Geschichte erwähnt sein, in dem wir im Rahmen der der allgemeinen Kirchengeschichte auch die Geschichte der Unitas Fratrum sowie die der IM der letzten 150 Jahre behandelten; schliesslich versuchten wir auch die Geschichte der Mayangna-Gemeinden mit Hilfe der memoria oral zu rekonstruieren;  daran beteiligten sich regelmässig etwa 40 Personen - darunter ein viertel Frauen - aus zehn Orten in der Umgebung von Musawas. Die Kosten wurden zwischen Gemeinde und STM geteilt
    Diese Seminare wie auch die in Rama Cay wurden durch die finanzielle Unterstützung der deutschen Brüderunität ermöglicht, die die Gemeinde in Musawas ausserdem bei der Zusammenstellung eines Grundstocks für eine  Bibliothek unterstützte (Kommentare, Bibeln, Lexika).

  • Auf Rama Cay
    Kursteilnehmer in der Kirche in Sunday Bay (nördlich Puerto Cabezas) Nach zwei Vorbereitungstreffen wurde auf Rama Cay eine Serie von ebenfalls vier Seminaren geplant. Bisher beteiligen sich etwa zwanzig Personen. Trotz ihrer Nähe zu Bluefields und der Veratnwortlichkeit der Gemeinde der Creoles von Bluefields wurden diese Gemeinden in der  theologischen Ausbildung bislang total vernachlässigt. So sind diese Seminare ein wichtiger Neuanfang, insbesondere wenn man die Krisensituation berücksichtigt, in der dieses Indianervolk lebt und das sich zudem vor seiner kulturellen Auslöschung befindet.

  • Sandy Bay
    An diesem Seminar zu den Themen "Kirchliche Verwaltung" und "Kindertaufe" nahmen ungefähr dreissig Personen teil, auch die anderen Dozenten des STM wirkten aktiv mit. Angesichts der überaus positiven Aufnahme des Seminars vereinbarten wir eine Fortsetzung.

  • Ausserdem führten Treffen und Kurse in Managua, Bluefields, Bonanza und Waspam mit den Tutoren durchgeführt, um mit ihnen jeweils den Prozess zu evaluieren, anstehende Probleme zu diskutieren, Alternativen zu suchen und in Themen und Methodologie einzuführen.

Bei all diesen Aktivitäten ist zu beobachten, dass sich die Arbeit von ETE zusehends in den Gemeinden der Mayangnas und Ramas konzentrierte. Das findet seinen Ausdruck auch in einem Projekt, das wir derzeit für diese Gruppen zwischen STM und BICU planen: Ausbildung auf Gemeindeebene (in verschiedenen Themenbereichen wie z.B. Verwaltung, Geschichte, Anthropologie,etc.) . Im September soll die erste Phase beginnen, eine Untersuchung der Notwendigkeiten der Bevölkerung von Rama Cay, um auf dieser Basis das Pensum für die Ausbildung ausarbeiten zu können.

Ulrich Epperlein, September 2000

 

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