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Herrnhuter Brüdergemeine:
Hintergrundinformation I
Die Wurzeln
Ihren Ursprung nahm die Kirche in der Mission von
Kyrill und Methodius im 9.Jahrhundert unter den Slawen, später im Böhmen
und Mähren - zwei Länder über die Jahrhunderte hinweg um nationale und
religiöse Unabhängigkeit kämpfte.
Dieser Kampf setzte sich mit der Hussitischen
Bewegung im 15. Jahrhundert fort - eingeleitet durch die Reformbestrebungen
von Jan Hus, der im Konzil von Konstanz 1415 als Häretiker verurteilt und als
Märtyrer auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde, und mit Hyronimus von Prag,
1416 ebenfalls als Märtyrer gestorben. Der folgende, vom Papst
ausgerufene Kreuzzug gegen die Bewegung endete 1436 mit den Compactara (Vereinbarung)
zwischen Hussiten und Katholiken, mit denen sich die gemässigten Flügel wieder
in die Katholische Kirche eingliederten. Der radikale Flügel der Taboristen, im
Krieg unterlegen , gründete 1457 in Mähren die Jednota Bratrska, die Unitas
Fratrum. Zu Beginn der Reformation (15. Jahrhundert) umfasste
diese Kirche etwa 400 Gemeinden und 175.000 Mitglieder - trotz der Verfolgungen,
aber mit Unterstützung von einigen Regionalfürsten. Während der Reformation
näherten sie sich den Lutheranern in Deutschland und Calvinisten in der Schweiz
und Holland an und integrierte einige der liturgischen und theologischen
Reformen, ohne sich in die neuen protestantischen Kirchen einzugliedern.
Während des Dreissigjährigen Krieges stand die
Brüder-Unität auf der Seite der Gegner von Kaiser Ferdinand II und wurde nach
der verlorenen Schlacht am Weissen Berg blutig verfolgt; in ganz Europa
versprengt, existierte sie von nun an als "Untergrundskirche" weiter,
und Anfang des 18. Jahrhunderts waren nur noch wenige Gruppen
übriggeblieben. Ein Teil davon fand auf dem Gebiet von Nikolaus Ludwig Graf von
Zinzendorf in der sächsischen Lausitz eine Zuflucht und gründete eine neue
Kirche in Herrnhut, zunächst innerhalb der Lutherischen Kirche, dann
unabhängig von ihr (1727). In der Anfangsphase hatte sie enge Verbindungen zum
Pietismus in Halle, lehnte aber die Anbindung an genau definierte Bekenntnisse
ab; indem sie ökumenischen Bekenntnisse annahmen wie auch das
Augsburgischen Bekenntniss (lutherisch) bewahrten sie sich eine unbedingte
ökumenische Offenheit.
In das Zentrum ihrer Arbeit stellten die
Gemeinden - neben ihrer tiefen Gemeinschaftsreligiosität - die Mission,
Erziehung und medizinische Versorgung, die dann mit Prozess der Evangelisierung
auch die wesentlichen Elemente in der Mission bildeten.
Ihr Protest und die Kritik gegen die Katholische
Kirche im 15.Jahrhundert richtete sich hauptsächlich
-
gegen die Korruption in den Strukturen und des
katholischen Klerus,
-
die autoritären Strukturen der römischen Kirche
selbst,
-
sie forderten die Reinigung der religiösen
Traditionen und Bräuche in Richtung einer Restauration der urchristlichen
Gemeinden
-
und eine wahrhafte kirchliche Lehre auf Grundlage
der Heiligen Schrift.
In ihrem Zentrum stand unter anderem die Bergpredigt
mit ihren ethischen Forderungen, die Grundlage für die Gründung von Gemeinden
mit horizontalen Strukturen, der aktiven Beteiligung von Laien und Frauen. Eid,
Einheit von Kirche und Staat und der Krieg wurden abgelehnt. Das Apostolische
Bekenntnis wurde anerkannt, das Fegefeuer und der Heiligenkult der Römischen
Kirche wie auch deren Autoritäten wurden abgelehnt, ebenso die Unterordnung
unter die kirchliche Lehre.
Die Mission an der Atlantik-Küste Mittelamerikas
Die reformierte Unitas Fratrum begann ihre Mission
an der Atlantikkueste Nicaragua im Jahr 1849. Nach Aufgabe des Protektorates
durch Grossbritanniens wurde der östliche Teil des Landes erst 1895 durch
die nicaraguanische Regierung von Managua aus besetzt und
gegen den Willen der Bevölkerung eingegliedert. Bis dahin gab es nur wenige und
gescheiterte Missionsversuche von Seiten der katholischen und anglikanischen
Kirche. Die Herrnhuter Mission begann in Bluefields mit deutschen Missionaren,
die bereits seit 1732 auf den westindischen Inseln eine Station eröffnet
hatten (1732 auf St. Thomas, heute: US Virgin Islands, und 1754 in Jamaica). Das seit 1670
bestehende Protektorat mit einem Reino de la Mosquitia (Herrschaft der
Moskitia) wurde als eine Basis für die wirtschaftlichen, politischen und
militärischen Interessen der englischer Kolonialisten in der karibischen Region
benutzt, wobei die Miskitos ihre Dienste leisteten.
Auch deutsche Kaufleute waren im Handel
beteiligt; einer von ihnen, Prinz von Schoenberg, regte die Mission unter
den Indianern an, die auch nach einer vorausgegangenen Expedition mit
Unterstützung des englischen Konsuls und des Miskitokönigs Jorge Augusto
Federico eröffnet wurde. Sie begann unter den Creoles in der Stadt
selbst, dehnte sich dann recht schnell nach Norden unter den Miskitos aus und
kam auch in die Region heute honduranischen Mosquitia. Daraus ging die Iglesia
Morava de Nicaragua hervor mit heute etwa 190 Gemeinden und 80.000
Mitgliedern unter den verschiedenen ethnischen Gruppierungen der Miskitos,
Sumo-Mayangnas, Ramas und Creoles (Schwarzen) und wenigen Mestizen.
1974 wurde die Kirche von der nordamerikanischen
Mission unabhängig,
die die Arbeit der Deutschen seit 1917 fortgesetzt hatten.
Mit der sandinistischen Revolution trat die
Kirche in einen langandauernden Konflikt mit der Regierung im Kontext des
bewaffneten Konflikts der Sandinisten gegen die von den USA finanzierten Contras
und der Autonomiebewegung der Indianer MISURASATA / YATAMA, die sie der
Kollaboration mit der Kontrarevolution verdächtigte. Schliesslich wurde
sie aber zur entscheidenden Vermittlungs-Instanz für einen erfolgreichen
Dialog der Kriegsparteien bis hin zur politischen Reintagration der
Indianerguerrilla.
Ihr Zentrum hat die Kirche heute in Puerto Cabezas /
Bilwi mit Verwaltung, Theologischem Seminar, Universität und den
verschiedenen Werken (Frauen- und Jugendarbeit, Diakonisches Werk, Christliche
Erziehung). 
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