Miskito-Indianer in Nicaragua - Homepage Ulrich Epperlein

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Basisinformation  |   Urgent ActionVerfallene Medikamente  ]

  Basisinformation zur Situation und den Schäden 
in der Region von PRINZAPOLKA

Grundinformation zum Überschwemmungs-Notfall am Rio Prinzapolka (etwa 100 km südlich von Puerto Cabezas/Bilwi) mit Daten zum Bedarf und seiner Finanzierung.

Die verantwortliche Organisation innerhalb der Herrnhuter Brüdergemeine (Iglesia Morava) ist das Sozialwerk IDSIM (Instituto de Desarrollo Social de la Iglesia Morava); vor rund 30 Jahren gegründet, arbeitet es derzeit unter der Leitung von Direktor Rev. Harold Smart fast ausschliesslich im Bereich von Dorfentwicklung und Katastrophenhilfe (insb. Post-Mitch).  Der  Projektleiter Lic. Jorge Matamorros arbeitet ausschliesslich in den ländlichen Gemeinden.

Das Projekt soll in Koordination mit der Kirchenleitung durchgeführt werden und ist gedacht als die zweite Phase der Notmassnahmen (die erste wird durch Regierungs- und NGO- Organisationen teilweise abgedeckt), um den betroffenen Bewohnern den Wiederaufbau der Anpflanzungen mit langfristiger Perspektive und gewissen Verbesserungen zu ermöglichen. 

Wegen der für den November 2001 bevorstehenden Wahlen bestehen Gründe, in dieser ersten Phase noch nicht teilzunehmen ist, um sich nicht in die parteipolitischen Interessen der beteiligten Organisationen (zwischen Liberalen und Sandinisten) verwickeln zu lassen, obwohl praktisch alle Bewohner Herrnhuter sind.

Weitere Information:
IDSIM, Rev. Harold Smart
Puerto Cabezas/RAAN, Nicaragua
Telefax 0505-28-22222

Update vom 12. Oktober 2001:  
Das "Social Justice Committee" (Montreal, Canada) ruft auf zum Protest gegen die Kürzungsprogramme des Internationalen Währungsfonds in Nicaragua nach und trotz der Überschwemmungs- und Dürrekatastrophen der letzten Monate - URGENT ACTION

  Prinzapolka

Einführung  |
| Geografische und Wirtschaftliche Beschreibung
  |
| Einschätzung des Bedarfs
  |
|  Problem von verfallenen Medikamenten  |

1. Einführung

PRINZAPOLKA bildet ein wichtiges Gebiet der Karibikküste von Nicaragua innerhalb der Región Autónoma del Atlántico Norte (RAAN). In diesem Gebiet leben etwa 9.000 Menschen auf einem Gebiet von 5.917 km/2. 78 % der Bevölkerung sind Miskitos, der Rest Mestizen und Sumus, die in insgesamt 33 Gemeinden entlang des Flusses Prinzapolka und an der Küste leben.  In wirtschaftlicher Hinsicht ist es unter den Teilgebieten der RAAN ein priveligiertes Gebiet. Es zählt mit grossen Naturreserven insbesondere Waldgebieten, fruchtbaren Böden für tropisch-feuchte Landwirtschaftsprodukte, einer angrenzenden Meeresplattform mit reichen Fischgründen, eine grosse Anzahl von Seen und Flüssen, die ebenso eine grosse Vielfalt an Fischen haben. Diese Beschreibung spiegelt nur ansatzweise die Möglichkeiten dieses Gebietes wider.  Trotzdem sind die sozial-ökonomischen Bedingungen und die Qualität des Lebens der Bewohner höchst prekär, Ergebnis der Marginalisierung und Aufgabe durch die Regierung, wozu die Ausbeutung der natürlichen Reserven durch ausländische Unternehmen kommt. Die Daten in den Bereichen von Gesundheit, Erziehung, Wohnung, Transport und Familieneinkommen haben ein kritisches Niveau erreicht. Diese extreme Armut der Bevölkerung widerspricht oder leugnet jegliche Beziehung von Lebensqualität und wirtschaftlichem Potential dieser Region.

Innerhalb der Marginalität der Karibikküste Nicaraguas ist Prinzapolka zweifelsohne das Miskito-Gebiet mit den prekärsten wirtschaftlichen Bedingungen. Diese extreme Armutssituation führt die Bevölkerung zum Fatalismus. Trotz des Fatalismus bewahrt dieses Volk seine Würde, Intelligenz, Kreativität, Vorstellungskraft und Hat nach wie vor seine Reserven.. Was es braucht, sind Unterstützung, eine Unterstützung frei von Vorurteilen um  seine Möglichkeiten zu entfalten.

2. Kurze geographische und wirtschaftliche Beschreibung

Das Gebiet umfasst 5.917 km/2 mit einer Bevölkerung von etwa 33 Gemeinden entlang des Unter-, Mittel- und Oberlaufes des Prinzapolka. Geographisch sind die 33 Gemeinden in vier Sektoren folgendermassen verteilt:

a. LITORAL UND UNTERLAUF, gesamt 3.499 Einwohner:

Ort

Einwohner

Ort

Einwohner

Wauhta 

750 

Prinzapolka 

520

Layasiksa 

250 

Ariswatla 

237

Kukalaya 

312 

San Mil

150

Walpasiksa 

620 

Kuam Watla

660

b. MITTELLAUF, gesamt 3.630 Einwohner:

Ort

Einwohner

Ort

Einwohner

Alamikangban 

1.110

Klarinden 

230

Ladrícola 

305

Buena Vista

212

Limbaikan 

340

Galilea 

274

Dos Amigos

236

Tuburús 

200

Bethel 

120

Prinzubila 

195

Isna Was 

268

Auka-Mango

140

c. OBERLAUF, gesamt 1.582 Einwohner:

Ort

Einwohner

Ort

Einwohner

Los Cerritos

430

Blunós 

160

Silibila 

130

San Miguel 

220

Tungla 

230

El Naranjal (6 com.)

192

Tasba Pauni

220

 

 

d. EBENE, gesamt 180 Einwohner:

Ort

Einwohner

Ort

Einwohner

Palmera 

120

El Susto

60

In diesen Gemeinden leben insgesamt rund 1.500 Familien.

Die wirtschaftlichen Aktivitäten sind hauptsächlich: Fischerei, forstwirtschaftliche Tätigkeiten, Landwirtschaft ausgerichtet auf eine Subsistenzwirtschaft kombiniert mit der Jagd. Die Subsistenzlandwirtschaft trifft man in all den genannten Gebieten an und bildet die Grundlage für die Ernährung der Familien. Die wichtigsten Produkte sind: Grundnahrungsmittel (Reis, Bohnen v.a.) und verschiedene Tuberkulos (Yuca, Malanga, Kekiske), Bananen. Jede Familie baut durchschnittlich auf einer Fläche von etwa 1,5 ha jedes Jahr all die genannten Produkte an. Das bedeutet, dass etwa 2.250 ha jedes Jahr in diesem Gebiet bebaut werden.  Die Fischerei wird hauptsächlich von den Küsten- und Unterlaufgemeinden betrieben. Die forstwirtschaftlichen Tätigkeiten werden von einigen Gemeinden am Ober- und Mittellauf betrieben, u.a. in Alamikangban, Tasba Pauni, Limbaikan, Tungla und Ladrícula.

3. EINSCHÄTZUNG DER DURCH DIE ÜBERSCHWEMMUNGEN VERURSACHTEN SCHÄDEN UND DES BEDARFS FÜR DIE REHABILITIERUNG DER LANDWIRTSCHAFT

Das Gebiet von Prinzapolka ist traditionellerweise anfällig für Naturkatastrophen, hauptsächlich für periodische Überschwemmungen entlang des Flusses. Obwohl Prinzapolka die Folgen des Hurrikan Mitch von 1998 nicht zu spüren kam, erlitt es Mitte Juli die Folgen einer grossen Überschwemmung.  Diese zogen hauptsächlich die Landwirtschaft in Mitleidenschaft, jedoch sind keine Verluste an Menschenleben, Tieren und Häusern zu beklagen. Nach offiziellen Schätzungen belaufen sich die Schäden auf 80 %, was den Verlust von etwa 1.800 ha der Anpflanzungen bedeutet. Die Schwere der Schäden fällt mit dem Beginn der Erntezeit zusammen, die von August bis Februar dauert. Die am meisten betroffenen Produkte sind: Bohnen, Reis, Mais, Yuca, Banane, Batata und Wassermelone.

Die am stärksten betroffenen Gemeinden sind etwa 18, also mehr als 50 % des Territoriums:

a. Litoral und Unterlauf

b. Mittellauf

c. Oberlauf

Prinzapolka
Ariswatla
San Mil
Kuamwatla

Alamikangban
Klarinda
Ladrícula
Buena Vista
Limilaikan
Galilea

Dos Amigos
Tuburús
Bethel
Prinzubila
Isna Was
Auka Mango

Tasba Pauni
Tungla

Im Kontext dieser Notsituation, die Unterstützung für Prinzapolka kann unter zwei Aspekten betrachtet werden:

  • Erste Etappe: Katastrophenhilfe

  • Zweite Etappe: Nachktastrophenhilfe

Die erste Etappe während der Katastrophe selbst mit einer humanitären, augenblicklichen Hilfe, die nicht notwendigerweise zur Befriedigung der familiären Grundbedürfnisse führt.

Die zweite Etappe oder Nachkatastrophenhilfe besteht in einer Hilfe, die sich daran orientiert, die Produktionsfähigkeit der Gemeinden vor allem im landwirtschaftlichen Bereich, z.B. mit Werkzeugen und Saatgut, fördert. Der geschätzte Bedarf für die 18 Gemeinden, die etwa 660 Familien ausmachen, beträgt, geordnet nach Produkt, Anbaufläche und Bedarf:

Produkt 

Fläche/ha

Saatgut 

Macheten 

Hacken 

Limas 

Gummistiefel

Reis 

165 

1.320 qq

1.320

660 

1.980

660

Bohnen 

165 

420 qq

 

 

 

 

Maiz 

165 

1.320 qq

 

 

 

 

Download:
Informes.rtf   und   cuadros.rtf

Verfallene Medikamente in Alamikangba

Eine Tragödie nach der anderen. Die durch die Überschwemmung betroffenen Familien in Prinzapolka haben nicht nur nicht eine unzureichende Zuflucht, sondern leiden zudem unter der Einnahme von abgelaufenen Medikamenten, die ihnen von MIFamilia und Secretaría de Acción Social übergeben worden waren, so von einigen Indianern gemeldet.  Viele dieser abgelaufenen Medikamente, behaupten die Indianer, sind tatsachlich eingenommen worden ohne dass die Betroffenen sich die Aufschriften lasen, was tödliche Folgen für einige haben könnte, die sie im guten Glauben eingenommen hatten und irgendwo im tropischen Regenwald an der Atlantikküste leben.  Diese Medikamente waren auf verschiedenen Aufrufe an Regierung und NGOs hin nach der Überschwemmung überreicht worden, aber eben sechs oder sieben Jahren abgelaufene...

Einige Indianer, die das noch rechtzeitig bemerkten, zeigten einer Tageszeitung die verschiedenen Medikamentenbehälter wie z.B. Imodium Loperamide, benutzt v.a. gegen Durchfallerkrankungen, die auf dem Etikett das Verfallsdatum von 1994 anzeigt.  Medikamente wie Clarotricina, ein recht starkes Antibiotikum, v.a. Erkrankungen der Harnwege angewendet, wurden ohne den Hinweis auf das Verfallsdatum von 1996 unter den von der Überschwemmung betroffenen Indianern verteilt.

Andere Medikamente wie Amoxiclina (Antibiotikum), Seudoforma (Grippemittel),  Tobramycin adn dexametasona (Antibiotikum) wurden ebenfalls verteilt und habe nach Aussagen von Ärzten bei den Betroffenen erste negative Wirkungen gezeigt.

Die Medikamente wurden anscheinend nach der Katastrophe von der Zentralregierung übergeben und von lokalen Instanzen in verschiedenen Orten wie Wounta, Haulover, Walpasiksa verteilt.  Inzwischen hat ein in Alamikangba praktizierender Arzt die Verteilung gestoppt.  Verschiedene Familien melden inzwischen alarmierende Symptome bei Kranken, die diese Medikamente eingenommen haben.

Wir hoffen, dass die hier vermerkten Vorfälle keine neue Katastrophe für die Menschen von Prinzapolka bedeuten, und dass die ausgesprochenen Anzeigen und Vermutungen sich nicht bestätigen mögen.  

(Nach einer Zeitungsnotiz aus 
El Nuevo Diario, 28.August 2001)

 

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